Warum ein Baby tragen?

Eigentlich stellt sich weniger die Frage nach dem WARUM, sondern eher nach dem WIE.

Also: WIE ein Baby tragen? Denn seien wir mal ehrlich: Ein Baby nicht zu tragen, ist unmöglich. Alle Eltern wissen das. Es sei denn, man ist körperlich nicht dazu in der Lage. Aber davon gehen wir jetzt nicht aus. Bist du gerade das erste Mal schwanger, kannst du dir das vielleicht noch nicht vorstellen: Als Eltern trägt man sein Baby und auch noch sein Kleinkind ständig.

Es gibt unzählige Gründe, sein Kind mehrmals am Tag hochzunehmen, zu tragen oder auf dem Arm zu schunkeln. Wäre es da nicht praktisch, sein Baby zu tragen, ohne den eigenen Körper falsch zu belasten und gleichzeitig noch die Hände für andere Dinge frei zu haben?

  • Um zum Beispiel die Geschwisterkinder oder den Partner an die Hand zu nehmen.
  • Um nebenbei Dinge im Haushalt zu erledigen.
  • Ohne sperrigen Kinderwagen einkaufen zu gehen, mühelos in jede Bahn zu kommen oder sicher bei Wanderungen mit Baby über Stock und Stein zu laufen
  • Wenn man einfach Dinge erledigen und seinen Alltag mit Baby entspannter gestalten könnte, während das Wertvollste, das man besitzt, seelenruhig an einem schlummert?

Yes, das haben wir uns auch gedacht – also haben wir unsere Kinder mit Tragehilfe oder Tragetuch getragen.

Wie ein Baby tragen? Tragehilfen, Tücher und Co.

Tragen wir unsere Kinder ohne Hilfsmittel, geht unser Körper in eine Ausgleichshaltung. Machen wir das ständig und über einen längeren Zeitraum, merken wir schon bald, dass das sehr unergonomisch für uns ist. Zum Glück gibt es da die tolle Erfindung der praktischen Babytragen.

Gäbe es DIE eine richtige Babytrage und nur wenige Hersteller, hätten wir dir an dieser Stelle gern unsere Empfehlungen gegeben. Aber dem ist nicht so, der Markt ist übersättigt und einen Überblick zu behalten schier unmöglich.

Eine Trageberaterin hat mal zu uns gesagt, mit der Suche nach einer passenden Trage ist es wie mit der Brautkleidsuche. Die Modelle sind so unterschiedlich und die eigenen Bedürfnisse und Bedingungen zu individuell, als das irgendjemand DIE eine Trage nennen könnte, mit der alle Eltern zufrieden wären. Und dann gibt es noch so viele verschiedene Arten von Babytragen: Tragehilfen wie Full-Buckles, Half-Buckles oder Onbus, Ringslings, Mini Slings oder Tragetücher – elastisch oder gewebt.

Eine Trageberaterin zeigt dir nicht nur, wie man ein Tuch bindet!

Sein Baby sicher zu tragen, ist kein Thema, was du dir allein durch Google-Informationen aneignen solltest. Bist du daran interessiert, mit Babytrage zu tragen und kennst dich noch überhaupt nicht damit aus, empfehlen wir dir, eine Trageberatung zu machen. Denn entgegen vielen Erwartungen zeigt dir eine Trageberaterin nicht nur, wie man ein Tuch bindet.

Sie kann dir ganzheitlich beim Thema Baby tragen helfen und mit dir gemeinsam die für euch beste Trageweise finden. Auch Spezialthemen wie Zwillinge tragen, Tandemtragen, Tragen während der Schwangerschaft oder nach einer schwierigen Geburt können Teil der Beratung sein. Eine Trageberaterin kann dich auch zu den Themen Tragen im Sommer oder Winter beraten oder dir Tipps für die richtige Kleidung für dich und dein Baby mit Trage geben. Was brauchst du zum Draußentragen? Wie schützt du dich und dein Baby am besten vor ungemütlichem Wetter? Unter der Tragejacke, mit Tragecover oder über der Jacke tragen?

Außerdem gibt es beim Tragen sehr wichtige und sicherheitsrelevante Aspekte zu beachten. Zum Beispiel, dass der Kopf und Rücken deines Babys immer gut gestützt sind und es gleichzeitig frei atmen kann. Viele Tragehilfen haben auch diverse Regulierungen, die durch wenige Handgriffe das Tragen noch komfortabler machen können. Eine Trageberaterin zeigt dir, wie du alles richtig einstellst, damit eure Tragezeit zum Vergnügen wird.

In einer Beratung können du und dein Partner meistens selbst mehrere Babytragen ausprobieren und sie auch einige Zeit ausleihen, um sie im Alltag mit Baby zu testen. Denn wenn eine Trage für dich passt, heißt das noch lange nicht, dass sie auch für deinen Partner bequem ist. Unsere Mama-Statur gleicht oft nicht der Statur unseres Partners. Vielleicht möchtest du auch eher ein Tuch binden, während der Tragepapa besser mit einer Vollschnallen-Trage zurechtkommt.

Hol dir einen Experten an deine Seite, wenn es ums Thema Baby tragen geht. Sicher gibt es auch in deiner Nähe eine Trageberaterin, die dich beim Start in eure Tragezeit begleitet. Oder die deine jetzige Trageweise optimiert, weil es hier und dort zwickt und dein Baby manchmal unzufrieden in der Trage ist.

Zurück zum WARUM: Warum hat ein Baby das Bedürfnis getragen zu werden?

Ganz einfach: Weil Menschenkinder Traglinge sind. Keine Nestflüchter und auch keine Nesthocker. Es ist vorbestimmt durch unsere Evolution, unsere Instinkte.

Was deutet darauf hin? Unsere Babys haben zum Beispiel ausgeprägte Greif- und Klammerreflexe. Denn hast du dir schon mal die Füße eines Babys genauer angeschaut? Die Fußsohlen sind einander zugewandt, sodass sie sich festklammern können. Oder hast du mal beobachtet, was es mit seinen Beinchen macht, wenn du es hochnimmst? Es nimmt automatisch die sogenannte Anhock-Spreiz-Haltung ein. Diese Haltung ist perfekt für Babys Reifung außerhalb des Mutterleibs. In dieser Haltung funktioniert dein Oberkörper wie ein Schlüssel, der sein Schloss gefunden hat – die angehockten Beinchen deines Babys.

Auch die Form und Beschaffenheit unserer Wirbelsäule spricht für einen aufrechten Transport. Nur so können die Bandscheiben zwischen den Wirbeln zum Beispiel Stöße oder Drehbewegungen abfedern. Werden Babys liegend über eine Huckelpiste geschoben, haben die Bandscheiben keine Möglichkeit die Stöße abzupuffern. So ein holpriger Kinderwagenausflug wirkt dann direkt auf die Wirbel ein. Dazu kommt, dass Babys einen gerundeten Rücken haben, der wie fürs Tragen gemacht ist. Dadurch kuschelt sich dein Schatz beim Tragen schön an dich heran. Die sogenannte doppelte S-Form unserer Erwachsenen-Wirbelsäule bildet sich erst später.

Beim Tragen sprichst du außerdem alle Sinne deines Babys an, sodass es seine Umgebung in seiner Gesamtheit wahrnimmt – sicher und geborgen an Mama oder Papa. Und wo wir gerade beim Thema Sicherheit und dem Gefühl von Geborgenheit sind: Wenn du bereits Mama bist, weißt du wie dein Neugeborenes reagiert, wenn es dich nicht mehr spürt oder sieht. Es reagiert meist mit Weinen. Oder andersherum, wenn es Körperkontakt zu dir hat und ständig an deiner Seite sein darf. Dann ist es ruhig und zufrieden.

Babys und das Thema Bindung

Ein Baby möchte bei seiner Bezugsperson sein, Körperkontakt haben, sich in Sicherheit wägen, Liebe empfangen. Alles Grundbedürfnisse eines Babys, die mindestens genauso wichtig – wenn nicht sogar wichtiger – sind als die Nahrungsaufnahme und Pflege.

Allein die Bindung zu einem Erwachsenen sorgt für das Überleben eines Babys. Denn es kann sich weder allein mit Nahrung versorgen noch sich allein fortbewegen. Es gibt einige Nachweise aus der Geschichte, in denen Babys gefüttert, gewaschen und auch sonst versorgt wurden und dennoch gestorben sind – weil die emotionale Bindung gefehlt hat. Grausam, aber wahr.

Dennoch ist der Begriff Bindung ein viel diskutiertes Schlagwort auf dem Gebiet der Kindererziehung. Die Aussagen und Meinungen gehen teilweise extrem weit auseinander. Während für die einen „auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen“ bedeutet, sie zu verwöhnen, sehen andere eine starke Bindung als Fundament für ein glückliches Leben.

Ganz wichtig: Tragen ist kein Verwöhnen

Das Tragen oder ständige Hochnehmen eines Baby wird heutzutage oft mit „verwöhnen“ gleichgesetzt. Was bedeutet überhaupt verwöhnen? Wir würden sagen, man kann nur denjenigen verwöhnen, der sich selbst versorgen könnte, man es aber trotzdem für ihn tut. Ein Baby kann uns nicht hinterherlaufen, wenn wir den Raum verlassen. Es kann sich auch meistens noch nicht allein beruhigen oder seelenruhig in den Schlaf finden. Es kann auch nicht mit Worten ausdrücken, was es möchte.

Ein Baby ist durch seine Instinkte gesteuert. Daher weinen Babys, sie wollen uns mitteilen: „Hey, hallo, ich habe ein Bedürfnis!“ Ein Baby will uns nicht ärgern, sondern eine Reaktion auf sein Weinen erfahren. Hat man die nonverbalen Anzeichen vorher verpasst, bleibt dem Baby nur noch eins: es fängt an zu weinen. Denn es ist seiner Situation voll ausgesetzt und MUSS sich auf die Sicherheit der Bezugsperson verlassen, die zurückkommt und sich um sie oder ihn kümmert. Babys wollen uns nicht manipulieren oder um den Finger wickeln, wie es andere Generationen gern predigen. Ein Baby ist dazu noch gar nicht in der Lage, es möchte einfach überleben.

Instinktiv wollen wir als Mama oder Papa unser Baby hochnehmen, wenn es weint. Wir wollen, dass es ihm gut geht. Weniger hilfreich sind dann Sprüche wie „Dein Baby muss lernen, sich selbst zu beruhigen“ oder „Wenn du jedes Mal rennst, wenn es schreit, verwöhnst du es und tanzt dir später auf der Nase herum“. Oft wissen es diese Leute aber einfach selber nicht besser, haben es von ihren Familien so gelernt oder eingeimpft bekommen. Dazu können wir nur sagen: Liebe Mamas und Papas, bitte vertraut auf eure Instinkte. Ihr zieht keinen Haustyrannen groß, nur weil ihr die Grundbedürfnisse eures Babys stillt. Lest zu diesem Thema gern weiter den Artikel von BUZZIDIL Babys verwöhnen – Schluss mit dem Geschwätz von Tyrannen.

Wenn du dein Baby tragen möchtest, dann trage es. Möchtest du es die ganze Zeit bei dir haben, weil es deinem Baby und dir damit richtig gut geht? Weil es viel zufriedener bei dir ist, es ruhiger schläft und ihr die gemeinsame Zeit einfach genießt. Dann tu das, unbedingt. Binde dein Baby in ein Tragetuch oder verwende eine Tragehilfe, die für dein Baby geeignet ist und mit der du dich wohlfühlst. Findet den für euch angenehmsten Weg, um im so herausfordernden Familienalltag zurecht zu kommen.

Warum gibt es eigentlich Kinderwagen?

Eine komische Frage, oder? Hast du sie dir schon jemals gestellt? Wahrscheinlich nicht. Warum auch. Wenn man sein erstes Kind erwartet, ist wahrscheinlich das Thema Kinderwagen das erste, woran werdende Eltern denken. Oder womit sie konfrontiert werden. Weil jeder einen hat und die Babys darin ja alle so friedlich schlummern, weil es unsere Eltern oft nicht anders kennen oder man sich in der ländlichen Einöde mit Babytrage sonst wie ein Kanarienvogel vorkommt. Oder weil man einfach noch nie über eine andere Art nachgedacht hat, sein Baby von A nach B zu bewegen.

Dass aber nicht jedes Baby den Kinderwagen mag und liegend transportiert werden möchte, dass sagt einem keiner. Dass es überzeugende physiologische und ausreichend emotionale Gründe gibt, sein Baby aufrecht und an sich gekuschelt zu transportieren schon gar nicht – außer du triffst auf eine Trageberaterin oder andere Tragefans.

Früher, als es noch keine andere Möglichkeit gab, wurden Kinder immer auf dem Arm getragen. Und zwar nicht nur in afrikanischen Stämmen, nein, auch in Europa. Tragen war gesellschaftlich angesehen und akzeptiert. Auch war es üblich, Babys fest in Bandagen zu wickeln, um sie zu beruhigen. Heute würden wir Pucken dazu sagen. Dieser gleichmäßige Druck besänftigte die Babys.

Doch dann wuchs der Begriff des Verwöhnens mit der Industrialisierung heran. Man wollte seine Kinder nicht verwöhnen, also ließ man das Bandagieren sein. Es wurde plötzlich als hinderlich und unnatürlich angesehen. Die berührungsgierigen Babys ließ man vermehrt strampeln und schreien. Auch das Tragen wurde immer weniger gesellschaftsfähig. Zunehmend distanzierte man sich sogar von den ärmeren Schichten, in dem man sein Kind nicht trug. Tragen wurde tatsächlich zu einem Zeichen der Armut.

Die Reichen hatten Ammen für ihre Kinder und gaben sie zum Heranwachsen aufs Land, um gesellschaftlich nicht herabgestuft zu werden. Das baute eine große Distanz zwischen dem Baby und den eigentlichen Eltern auf. Auch der Kinderwagen hat zu diesem Zweck beigetragen, mehr Distanz zu den eigenen Kindern aufzubauen – aber auch zu den armen Leuten, denn die konnten sich solche Hilfsmittel nicht leisten.

Auch wenn im Mittelalter schon manchmal Schubkarren zum Kindertransport verwendet wurden, der Kinderwagen, wie wir ihn kennen, wurde in Großbritannien erfunden. Denn dort war es üblich, täglich mit den Kindern spazieren zu gehen. Die erste Kinderwagen-Fabrik entstand 1840 in England. Noch nicht mal vor 200 Jahren – gerade mal ein Wimpernschlag in unserer Evolutionsgeschichte. Zu kurz, als dass sich die Ur-Instinkte und Anatomie unserer Babys auf diese große Veränderung einstellen konnten. Übrigens erkennen Babys erst mit ca. 3 Monaten, wer den Kinderwagen wirklich schiebt.

Ein Baby möchte getragen werden

Wir wollen keinesfalls von einem Kinderwagen abraten, zu individuell ist jede Familiensituation. Sicher ist er oft auch vorteilhaft. Oder sogar ein Muss für Eltern, die körperlich nicht dazu in der Lage sind, ihr Baby zu tragen. Wir wollen aber darauf aufmerksam machen, dass man sein Baby auch auf andere Art von A nach B bringen kann und welche überzeugenden Vorteile diese Art hat – sowohl physisch als auch psychisch.

Es lässt sich nun mal nicht jedes Baby in den Kinderwagen stecken und dann ist Ruhe. Hart gesagt, aber leider haben wir diese Worte schon oft gehört. Auch Tragemamas, die uns ihre Tragegeschichte in unserer Blogserie erzählen, berichten immer wieder von solchen Äußerungen.

In unserer aufgeklärten, industrialisierten Welt werden die Bedürfnisse unserer Kinder oft hintenangestellt. Teilweise auch weil es sein muss, weil wir heute einfach anders leben als zu Zeiten der Säbelzahntiger und ein temperamentvolles Kind unsere sonst so rationale Erwachsenenwelt durcheinanderbringt. Unsere Kinder haben jedoch immer noch ihre Ur-Instinkte und reagieren dementsprechend.

Wobei wir wieder auf die Schlussfolgerung kommen, dass unsere Kinder Traglinge sind. Sogar aktive Traglinge, da sie sich schon als Babys aktiv an dem Tragenden festklammern können. Ihr Körper und Geist sind zum Getragenwerden gemacht! Genau wie unsere Tragejacken. Sie schützen dich und dein Baby zur Jackenzeit bei eurem Tragespaziergang und allen Outdoor-Aktivitäten.

In diesem Sinne: Eine wunderschöne Tragezeit euch wundervollen Mamas da draußen