Meine Tragegeschichte – Blogserie Teil 12

Anke ist 5-fach Mama, glücklich verheiratet und mittlerweile selbst zertifizierte Trageberaterin. Unter dem Namen ButzlPack – zusammengesetzt aus Butzl (Butzala = fränkisch für Baby) und Pack (einpacken und mitnehmen) – berät sie Trageinteressierte, um über das riesen Angebot an Tüchern und Tragehilfen einen Überblick zu verschaffen und die perfekte Tragelösung für jeden zu finden. So richtig der Tragewahn ausgebrochen ist bei ihr mit Butzl Nummer 4. Nach einem kräftezerrendem Jahr und einer nicht ganz einfachen Schwangerschaft und Geburt wurde fast nur noch getragen.

Das ist die Tragegeschichte von Anke

Mein Name ist Anke Pfeifer, 40 Jahre alt, Mutter von 5 Kindern und verheiratet. 2 Hunde, 1 Katze, Hasen und Fische sorgen hier zusätzlich für Stimmung. Das Tragen begann für mich vor bald 17 Jahren. In der Schwangerschaft kaufte ich mit meiner Mutter auf einem Babybasar eine Tragehilfe. Eine einfache Fullbuckle (Schnallentrage) in Blau mit weißen Punkten.

Mein Start ins Babytragen

Meine Mama ist Mutter von 4 Kindern, hat selbst getragen und war der Meinung, dass das nicht fehlen darf und sehr praktisch sei. Mit gerade mal 22 Jahren und völlig unerfahren nahm ich den Tipp natürlich dankend an. Mein erstes Butzl wurde im Mai 2004 geboren. Wir wohnen schon immer ländlich mit Wald und Wiesen. Mit Hund fand ich den Kinderwagen unpraktisch und nutzte gelegentlich meine Tragehilfe.

Meine Tochter war ein sehr ausgeglichenes Kind, schlief viel, trank gut und Familie und Freunde waren hin und weg. Sie wurde mir oft abgenommen, Haushalt war schnell erledigt. Viel tragen musste ich auf den ersten Blick nicht. Dezember 2007 kam Butzl 2 zur Welt. Schwangerschaft nicht ganz unkompliziert, Geburt sehr schnell und heftig, unruhiges Kind, was viel weinte und schlecht trank.

Ich kannte anfangs nur Fullbuckle Tragehilfen

Auch hier hatte ich mir im Vorfeld wieder eine Trage besorgt. Wieder eine Fullbuckle. Im Babyfachmarkt gab es nur die, was anderes kannte ich nicht. Sie war für den Moment okay, wir trugen viel mehr als beim ersten Kind, auch der Papa. Der Junge musste ja beruhigt werden, ein Geschwisterkind versorgt und der Hund Gassi geführt werden. Als im Mai 2010 Butzl 3 nach entspannter Schwangerschaft und Geburt im Geburtshaus zur Welt kam, hatten wir die Tragehilfe noch. Richtiges Wochenbett, mein Mann war 4 Wochen zu Hause. Getragen habe ich hier hauptsächlich, wenn ich mit allen alleine draußen war. Ich musste ja die Hände frei haben.

Als unser drittes Wunder zu schwer für vorne war, kauften wir eine Kraxe für den Rücken. Mit 3 Kindern und Hund waren wir sehr aktiv und der Kinderwagen oft nicht passend. Die Kraxe war hier in Ordnung. Weit weg von YouTube-Videos und Tragegruppen usw. gab es für mich auch nicht mehr. 2015 sah das auf einmal anders aus…

Wie das Leben so spielt…

2015 erwarteten wir erneut Nachwuchs, nicht ganz so geplant … Zu Beginn Zwillinge. Einer davon entwickelte sich leider nicht weiter. Hinzu kamen andere gesundheitliche Probleme bei mir und schwere Schicksalsschläge in der Familie und im engen Freundeskreis.

Kurz um, die Schwangerschaft war alles andere als entspannt. Die Geburt 2016 langatmig. Mir wurde ein schreiendes, kleines Wesen auf die Brust gelegt, welches sich kaum beruhigen lies. Zusätzlich Untersuchungen ohne Befund. Meine liebe und verständnisvolle Hebamme und eine Osteopathin begleiteten uns.

Jetzt wurde fast nur noch getragen

Wir trugen viel, ständig eigentlich. Mein Mann hatte die Abteilung gewechselt und war kaum zu Hause. Wenig Unterstützung von außen. Das Tragen wurde für mich unabdingbar. Babybjörn & Co waren laut meiner Nachbarin, mittlerweile eine sehr gute Freundin, völlig überholt. Sie trug in Tüchern bzw. empfahl mir Tragehilfen aus diesem Tuchstoff. Eine solche hatte ich mir dann natürlich schon in der Schwangerschaft besorgt. Das Tragetuch selbst war zu diesem Zeitpunkt für mich zu „Öko“.

Meine Tragehilfe war eine Halfbuckle. Und damit ging der Spuk los. Wenn man viel trägt und damit auch viel unterwegs ist, musste alles 100%ig sitzen. Ich kaufte, tauschte, verkaufte, beurlaubte und testete mich durch Hersteller und sämtliche Varianten. Facebook und Tragegruppen sei Dank. Der absolute Tragewahn war ausgebrochen. Aber wir kamen so im Alltag zurecht. 3 größere Kinder und ein #highneedbaby galt es zu versorgen.

Auswahl an Babytragen, Tragehilfen und Tragetücher

2018 schlossen wir mit Butzl 5 die Familienplanung ab. Die Frage, ob hier getragen wurde, stellte sich wohl kaum. Es war genügend vorhanden und dennoch stockte ich meinen Stapel auf. Jetzt sollte es ja wieder „newborntauglich“ sein. Januar 2020 kam ich nach einer OP nur sehr schwer wieder auf die Beine. Tragen war nicht mehr täglich erforderlich und wenn dann trug mein Mann oder teilweise die große Schwester… Ein Gefühlschaos… Ich dachte ich falle in ein riesen großes Trageloch…

Auf zur Trageschule – ich werde Trageberaterin

In ein Trageloch wollte ich nicht fallen. Während ich noch mit den Folgen der OP kämpfte, verbrachte ich viel Zeit im Netz. Zufällig entdeckte ich, dass ein Kurs für Trageberaterinnen von der Trageschule Hamburg in 2 Wochen ganz in meiner Nähe stattfindet. Kurze Rücksprache mit meinem Mann und meiner Hebamme. Ich brauchte ja ihre Unterstützung.

Anmeldung! Der erste Tag war für mich „fürchterlich“. Alle Teilnehmer hatten einen Plan, wie und wo sie mit ihrer Ausbildung arbeiten. Waren Hebammen oder richtige Vertriebler oder arbeiteten mit Mamas in einer anderen Art und Weise. Ich kam mir absolut bescheuert vor. „Hallo, mein Name ist Anke und ich habe Angst in ein großes Trageloch zu fallen….“ Ich konnte mir auch am nächsten Tag nicht vorstellen, Puppen in Tücher zu binden und Tragen zu verwenden, die ich eigentlich nicht mag. Die Ausbilderinnen und restlichen Teilnehmer waren toll. Wir hatten so viel Spaß und am letzten Tag (01.03.2020) war ich entschlossen, die Prüfung zu machen und eine echte Trageberaterin zu werden.

Der Lockdown sollte mir einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Ich war die meiste Zeit mit 3 Schulkindern und 2 Kleinkindern zu Hause. Wie und wann sollte ich lernen? Wann die Prüfungsvideos drehen? Aber Augen zu und durch. Die Technik (Computer, Kamera, Internet) war mein größtes Problem. Tragen selbst konnte ich ja.

Am 25.03.2021 reichte ich meine Videos zur Prüfung ein. Wieder Zweifel, wie so etwas im Lockdown funktionieren soll. Kurse, bei denen ich mich vorstellen hätte können, gab es nicht. Flyer hätte ich maximal im Supermarkt auslegen können. Mehr an „Werbung“ war nicht geplant. Kurz entschlossen bastelte ich mir nebenbei eine eigene Homepage. Nicht sehr professionell, aber man findet mich!

Juhu bestanden – ich bin geprüfte Trageberaterin!

Am 14.04.2020 erhielt ich von der Trageschule die Nachricht, dass ich bestanden habe! Ihr glaubt nicht, wie ich gefeiert habe. Weitere Kurse und Fortbildungen folgten! Es war die beste Entscheidung! Danke an alle, die mich unterstützt haben. Und jeden Tag wird mir mehr bewusst, wie wichtig, praktisch, schön und bindungsorientiert das Tragen ist.

Das war die Tragegeschichte von Anke (Instagram: anke_pfeifer_butzlpack). Mehr Tragegeschichten gibt es regelmäßig auf unserem Blog! Möchtest du deine Geschichte auch mit uns teilen, dann melde dich direkt bei uns!


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